Was mir Angst macht.

In einer Welt, in der wir uns täglichen gesellschaftlichen Diskussionen leidenschaftlich widmen, scheint es so, als würden wir uns mehr und mehr mit Seilziehen beschäftigen. Mal zieht die eine Seite stärker am Tau und mal die andere. Darüber hinaus wird das Seil immer länger, damit mehrere Spieler daran teilnehmen können. Die Diskussionskultur stirbt nicht aus – sie wird nur einseitiger. Eine Diskussion hat Tiefe, ist dreidimensional. Und so manche Teilhaber scheinen mit der Zeit nicht die Kraft und die Lust zu verlieren; sie holen sich Hilfe, welche jedoch nicht menschlicher Natur ist.
Seit 2007 gibt es die Funktion der „Hashtags“/Schlagwortkennzeichnung. Die simple Verwendung einer Raute vor einem Wort wird in der Funktion automatisch verlinkt und kann in so manchen Apps ganze forenähnliche Verzweigungen in Form eines Threads ausgeben. Auch ich verwende sie auf Twitter. Kommt es aber zu einem Meinungsaustausch oder einem Event, welches die notwendige Viralität mit sich bringt, trenden jene Schlagworte auf der besagten Plattform. Das lockt neben Personen, welche sich im Internet bspw. einer politischen Diskussion stellen, gewisse Hilfsmittel an, wie zum Beispiel ein offenes Kommandofenster, welches irgendwo auf dem Rechner eines Zimmers im 2. Untergeschoss geöffnet ist.
Der Sinn hinter dieser Kommandoreihenfolge?:
Die Erstellung von Bots. Zur Bekräftigung der eigenen Meinung.
Was für eine Waffe man hat, um jedes potenziell bösartige Thema viral zu machen.
Man entschuldige mir an dieser Stelle meinen Ansatz zur Faszination, jedoch muss man an einer Krankheit die wunderschöne destruktive Komplexität verstehen, um ein Gegenmittel zu erschaffen.
Das Verständnis für dieses mediale Phänomen kann man mit der Schweigespirale auf Basis des Noelle-Neumann-Modells erklären:
Der gesellschaftliche Mensch tendiert dazu, sich in seiner persönlichen Meinung zu regulieren, abhängig davon, wie viele Personen die eigene Meinung teilen und wie viele sich dagegen aussprechen.
Beispiel Nr. 1
Teilen viele Personen gleichzeitig dieselbe Auffassung, so ist es wahrscheinlicher, dass auch Personen, die nicht so denken, auf denselben Zug aufspringen – weil sie sich auch als Sieger der Diskussion präsentieren möchten.
Teilen viele Personen gleichzeitig eine komplett andere Meinung, so neigt der Diskutant dazu, sich in seiner Meinung selber zu zensieren.
Beispiel:
Je mehr Personen die Auffassung teilen würden, dass die Form der Erde die einer Scheibe anstatt einer Kugel hätte, desto mehr würde ich meine physikalisch erklärbaren Prinzipien über Bord werfen, weil ich mich im Recht präsentieren und meinen Groll verbergen möchte.
Beispiel Nr. 2
Das Beflügeln einer Kontroverse, auch einer normalen Diskussion, erklärt sich durch die Menge der Diskussionsteilnehmer. Und die aktuelle Tendenz der Kontroverse gibt auch im Tagesgeschäft von Nachrichten & Talkshows den Ton an. Negative Schlagzeilen lassen sich gut verkaufen, erst recht, wenn man Stilmittel auf Basis von Personengruppen einbaut.
Beispiel:
„Bei einem Flugzeugabsturz kamen X Personen ums Leben, darunter Y Deutsche“
So tragisch die Ursache eines Flugzeugabsturzes auch ist: Das Einbeziehen einer Herkunft betrifft jeden Leser dieser Zeile, welcher ebenfalls die Herkunft des hypothetischen Opfers teilt – auch unterbewusst.
Als Elternteil eines gerade reisenden Kindes schürt das Angst.
Und je definierter die Angst, desto reißerischer kann eine Schlagzeile werden.
Das ist eine Taktik, welche die BILD-Zeitung unfassbar gerne verwendet. Man kann von einem Kai Diekmann, dem ehemaligen Chefredakteur der BILD halten, was man möchte, vor allem wenn man bedenkt, unter welchen Umständen er aus der Redaktion entlassen wurde, so wusste er sich zumindest vom Populismus fernzuhalten. Unter der aktuellen Leitung von Julian Reichelt scheint das nicht der Fall zu sein.
Quelle: BILDblog – „Die AfD-Gärtner der „Bild“-Zeitung wundern sich über die Frucht-Ernte
Der aktuelle Fall um Susanna F. – eines ermordeten und zuvor vergewaltigten 14-jährigen jungen Mädchens aus Wiesbaden – zeigt die perfide Seite des Geschäfts mit Angst und dem Rassismus. Für die Beamten, welche in diesem Fall ermitteln, stellt sich nicht die Frage, warum der Täter ein irakischer Flüchtling war, sondern was einen 20-jährigen jungen Mann dazu treibt, ein derart abstoßendes Verbrechen zu begehen.
Um meinem ausdrücklichen Hass und meiner Distanz gegenüber der BILD-Zeitung und ihrer Doppelmoral in diesem Absatz ein Ende zu setzen, so scheint es dem Medienrat, dem Presserat und auch den Lesern der BILD immer gleichgültiger zu sein, diese Redaktion zu rügen. Und es betrifft auch nicht nur die BILD-Zeitung, sondern die gesamte Medienlandschaft.
Was mir dabei Angst macht, ist das Schwarz-Weiß-Sehen der Medienoutlets wie in den USA. Je weniger politische Tendenzen eine Nachrichtenagentur hat, umso mehr ist sie mit dem Begriff „Mainstream“ abgestraft. Dabei sollte „Mainstream“ das größte Kompliment für eine Nachrichtenagentur sein. Eine rein neutrale Berichterstattung kann keine Stimmung vorgeben, da sie zur eigenen Meinungsbildung aufruft. Denn wenn sich eine Zeitung rausnimmt, sich auf eine politische Seite zu schlagen, wird sie schnell zum Sprachrohr gewisser Ausrichtungen.
Auch das lässt sich bemessen und zwar aus der journalistischen Qualität & der Parteilichkeit. Hierbei bestimmt die journalistische Qualität die Tiefgründigkeit der Beiträge, die Nutzung von reißerischen Titeln, gar die Wortwahl & Wortanzahl. Die Parteilichkeit bestimmt sich aus der Ausrichtung des Mediums. Gibt es eine politisch ausgerichtete Mission, welche die Wahrnehmung verzerren kann bzw. soll, oder verbreitet die Seite gar Verschwörungstheorien?
Quelle: Polisphere
Mal angenommen, die zuletzt genannten Beispiele würden die Massenmedien stellen:
Wie stark würde es die Wahrnehmung des einzelnen Individuums verzerren?
Ich sprach es vorhin bereits an: Meine Angst ist es, dass durchaus relevante Diskussionen keine Tiefe mehr bekommen, sondern sich ein schwarz-weißes Gedankengut breit macht. So bekommt Bayern ein neues Polizeiaufgabengesetz, welches der Behörde erlaubt, Handgranaten im öffentlichen Dienst mitzuführen, mit der Begründung vor Terrorismus zu schützen. Unter dem gleichen Deckmantel wollte man psychisch erkrankte Menschen aktenkundig führen, was die Begründung einer U-Haft stellen sollte – weil man erkrankt ist.
Und trotz einer Mehrheit von 97% an Wissenschaftlern in den USA, dass der Klimawandel sehr wohl von Menschen vorangetrieben wird, stieg die Administration unter Donald Drumpf aus dem Pariser Abkommen zum Schutz und der Reparatur der Natur aus. Aus ähnlich verwirrenden Gründen wurde das iranische Atomprogramm beendet, was den Iran daran hindern sollte, Atomsprengköpfe herzustellen.
Es ist ein kleiner Auszug aus den Schlagzeilen der letzten Wochen. Themen, welche allesamt negativ behaftet sind. Wozu man zu Kindern sagt: „Das verstehst du erst, wenn du groß bist.“ Es braucht junge Stimmen in der Politik und es macht mir Angst, dass wir diese vielleicht nicht in diesem Umfang haben.
Es macht mir Angst, dass durch Filterblasen ein ernster Sachverhalt ins Lächerliche gezogen wird, anstatt ihn zu behandeln. Es macht mir Angst, dass sich negative Schlagzeilen besser verkaufen lassen als gute Nachrichten. Es macht mir auch Angst, dass ein SocialMedia-Gigant wie Facebook meine privaten Daten, Nachrichtenverläufe, sogar versteckte oder gelöschte Postings archiviert und weiterverkauft, damit durch meine Interaktionen Werbung geschaltet werden kann – was ich nicht möchte.
Ich habe euch gefragt und ihr seht es ähnlich. Unter einer Umfrage, bei der 120 Stimmen eingegangen sind, habe ich alles, was über 10 Votes hatte, gefiltert. Demnach wurden 108 Stimmen* gewertet.
Es beeindruckt mich, dass diese Themen in euren Köpfen verankert sind. Denn die mediale Stimmung spiegelt das nicht wider – trotzdem wird darüber geschrieben. Ein kleines Gedankenexperiment:
Entweder folgt ihr mir und meiner Filterblase oder ihr informiert euch individuell. Ich rate euch zu Letzterem. Mein Wort, nichts zu verfälschen, ist und bleibt nur mein Wort. Ein Verstoß dagegen wäre nur eine Verletzung meiner Prinzipien, auch wenn es woanders eine kriminelle Absicht haben könnte.
Doch ein Paradebeispiel einer Plattform, was alle sechs Punkte in dieser Umfrage umfasst, ist Facebook, die ich in diesem Beitrag nicht so ungeschoren davonkommen lassen kann. Die Tatsache, dass Facebook eine eigene Redaktion benötigt, um gegen Hasskommentare vorzugehen, spiegelt das toxische Verhalten einer lauten Minderheit wider. Ich habe mir mein Facebook-Archiv zukommen lassen. Für mich war es keine schöne Erfahrung, vielmehr eine gruselige Erkenntnis, wie viel eine Plattform über mich weiß.
  • Öffentlicher Post? Klar – kann jeder einsehen.
  • Sichtbarer Post für Freunde? Okay, kann im persönlichen Archiv auftauchen.
  • Private Nachricht (egal ob an Freunde oder Facebook-Auftritte)? Durchaus grenzwertig.
  • Gelöschte Nachrichten/Posts/Shares?
Es ist alles da. Macht euch nichts vor und bearbeitet eure Privatsphäre-Einstellungen. Das gilt nicht nur für Facebook, sondern für absolut jede Seite der Kategorie „SocialMedia“. Passt auf, welche Drittanbieter auf eure Konten schauen dürfen und installiert euch Plugins, welche die Cookies & euren Verlauf nach einer gewissen Zeit aus eurem Speicher löschen. Im Beispiel Facebook konnte euer Verhalten, egal ob ihr auf Facebook seid oder nicht, analysiert, ausgewertet und mitgelesen werden. Und wenn ihr so eine Plattform aktiv nicht mehr nutzen wollt, in dem Wissen, auch nicht mehr zurückzukehren, gebe ich euch einen gut gemeinten Rat:
Löscht eure Beiträge, nehmt das Recht auf Vergessenwerden in Anspruch, löscht euren Account und löscht sämtliche assoziierte Apps von eurem Rechner, Tablet & Smartphone.
Sonst finden wir uns in einer Dystopie wieder, welche uns Menschen wie Einwegspiegel dastehen lässt:
Wir selbst wissen alles über jeden, nur nichts über uns selber. Diese Informationen nutzen Anbieter, um auch das letzte Quäntchen an Privatsphäre ans Tageslicht zu bringen. Ich spreche von dem Prinzip des „gläsernen Menschen“.
Sei es nach Orwell, sei es nach dem Vorbild von China. Wovor man bereits vor 70 Jahren gewarnt wurde: Irgendwann geben wir zu viel preis. Und unter den unnützen Sachen, die ein Überwachungsstaat in meinem Warenkorb als Preis angibt, würde ich nur ungerne mit meiner Freiheit und meinen Personenrechten bezahlen.
Es macht mir Angst, dass genau diese Entwicklung verkompliziert der Menschheit untergejubelt wird und dass das einfache, etwas ältere Paar von nebenan keine Ahnung hat, dass in einem freien Land – einer Demokratie – wieder überwacht wird. Es kommt in kleinen Schritten.
  • 2006: Verpflichtung zur Speicherung von Standortdaten auf EU-Ebene
  • 2008: Einführung Vorratsdatenspeicherung (VDS) in Deutschland (erstmals 2010 ausgesetzt)
  • 2011/12: ACTA, SOPA, PIPA (nach Protesten abgelehnt)
  • 2013: NSA-Überwachungsskandal
  • 2014: Erneute Regulierung der VDS aufgrund der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses (GG Art. 10)
  • 2015: VDS tritt in Deutschland offiziell in Kraft bis auf die Ebene der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung. Der Staat bzw. der Bundesnachrichtendienst darf seitdem (in der Theorie) jeden ohne Grund überwachen, das galt zumindest vom Dezember 2015 bis zum Dezember 2016.
  • 24./25. Mai 2016: Die EU veranlasst eine neue Datenschutzgrundverordnung, welche soziale Netzwerke zum Offenlegen ihrer Daten zwingt, jedoch auch Kleinbetreiber vor komplizierte Hürden stellt (Klärung der Erhebung von Daten, Intransparenz seitens der europäischen Kommission).
  • Dez. 2016/Juni 2017: Der europäische Gerichtshof erkennt die Vorratsdatenspeicherung als illegal an und Deutschland setzt sie am 22. Juni 2017 außer Kraft.
  • 2018: Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung & Spekulation über ein „Leistungsschutzrecht“, worüber am 20. Juni 2018 verhandelt werden soll.
Mit einigen von den eben genannten Punkten möchte ich euch eine Sache klarmachen:
Ihr seid in der Lage euch zu wehren & das müsst ihr auch. Nehmen wir den letzten Punkt als Beispiel: Das europäische Leistungsschutzrecht (oder auch „Artikel 13“).
Um das Magazin „t3n“ an dieser Stelle zur Funktion des Leistungsschutzrechts zu zitieren:

Jede Plattform soll zukünftig durch einen automatischen Mechanismus prüfen, ob ein Inhalt sich mit einer Datenbank voller urheberrechtlicher Beiträge beißt.

Quelle: t3n – „Vergesst die DSGVO: Das Netz verliert gerade seine Informationsfreiheit
Der allgemeine Wortlaut lautet den „Link zu monetisieren“ und Algorithmen einzusetzen, welche mutmaßliche Copyright-Verletzungen automatisch per Bot filtern und melden sollen.
Sinngemäß:
Ich schreibe einen Wikipedia-Artikel über mich, setze meinen Namen darauf und veranlasse eine Content-Prüfung gegen Wikipedia, um die Seite damit abzustrafen, dass sie mich auf ihre Webseite ließen.
Das verfälscht ganze Sachverhalte und dem sollte man meiner Meinung nach entgegentreten. Unter der Kampagne „Save the Link“ von OpenMedia und unter dem Beitrag von t3n findet ihr Initiativen gegen dieses Gesetz.
Ich liebe die Europäische Union, dennoch gehen solche Gesetze in meinen Augen nicht und verstoßen gegen das Recht auf Information, vom Angriff auf die Meinungsfreiheit ganz zu schweigen.
Vielleicht verfasst ihr aber auch eine Nachricht an MEP Axel Voss von der CDU, welcher einer der Hauptverfasser des Leistungsschutzrechts ist.
Einen Link dazu findet ihr ebenfalls bei der Kampagne von OpenMedia:
https://act1.openmedia.org/savethelink-de

Um langsam zum Schluss zu kommen, da ich selber merke, wie verkompliziert eben jene Vorkommnisse sind:
Lasst euch unter keinem Umstand entmutigen.
Falls ihr der Meinung seid, dass eure Stimme nichts ändern wird, dann nehmt euch oben genannte Beispiele zu Protesten zur Brust.
Eure Stimme zählt. 
Und nach wie vor gilt, dass ihr euch schützen könnt.
Hier eine kleine Zusammenfassung:
  • Nutzt bei E-Mails Zertifikate (PKF, X.509, S/MIME etc.) und im elektronischen Schreibverkehr Programme, welche eine Ende-zu-Ende-Funktion haben (wie z. B. Threema).
  • Ändert eure Passwörter in Passphrasen und wechselt sie regelmäßig.
    Quelle: „Edward Snowden on Passwords: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)
  • Engagiert euch für eure Freiheit im Netz & in eurem privaten Umfeld, indem ihr auf Missstände aufmerksam macht.
  • Überprüft regelmäßig eure Privatsphäre-Einstellungen auf allen SocialMedia-Kanälen, die ihr nutzt.
  • Löscht überflüssige SocialMedia-Accounts und nutzt euer Recht auf Vergessenwerden.
  • Achtet bei Webseiten, über die ihr Formulare ausfüllt, immer auf eine existente Verschlüsselung der jeweiligen Webseite.
    (URLs fangen dann meistens mit „https://“ an oder haben ein kleines Schloss vor der URL.)
  • Und vor allem:

Ergreift Eigeninitiative.

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